Schmitt, Eric-Emmanuel: Die Träumerin von OstendeEine Empfehlung von Karen Verweegen:
Ein Mann reist nach Ostende. Er bezieht ein Zimmer bei der zurückgezogen lebenden Emma van A. Wer ist diese Frau, die ihm ihre fantastische Lebensgeschichte erzählt, in der sich leidenschaftliche Liebe mit subtiler Erotik verbindet? Was ist erfunden, was Wahrheit? Fünf geheimnisvolle Erzählungen, halb grausam, halb zärtlich, die mit unserer Fähigkeit zu träumen, zu lägen ein souveränes Spiel treiben und in denen die Unterscheidung zwischen Realität und Vorstellung aufgehoben wird.
Modick, Klaus: SunsetEine Empfehlung von Karen Verweegen:
Los Angeles 1956: Der weltberühmte Schriftsteller Lion Feuchtwanger lebt noch immer im kalifornischen Exil, als ihn die Nachricht vom Tod seines engen Freundes und literarischen Weggefährten Bertolt Brecht erreicht. Seine tiefe Erschütterung über den Tod Brechts löst eine Flut von Erinnerungen aus: an den Beginn ihrer Freundschaft im Jahr 1918 und an viele Begegnungen und die literarische Zusammenarbeit mit Brecht, aber auch an die eigenen schriftstellerischen Wege und lebensgeschichtlichen Wendepunkte. Der gründlich recherchierte biografische Roman des versierten Romanciers Klaus Modick, der 3 Jahrzehnte zuvor bereits mit einer Arbeit über Feuchtwanger promoviert hatte, weitet sich so zu einem farbigen Porträt Brechts und darüber hinaus zu einer Reflexion der Schriftsteller-Existenz im Exil aus. Modick ist mit diesem Lebensbild eines bedeutenden deutschen Schriftstellers ein Buch gelungen, das schon aufgrund seiner suggestiven Erzählweise und seiner eindringlichen Sprache bis zum Ende fesselt.
Jonasson, Jonas: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwandEine Empfehlung von Karen Verweegen:
Ein überbordender Schelmenroman, eine wahre Räuberpistole, dieser Erstling! Allan Karlsson büxt vor seiner 100-Jahr-Feier aus, nimmt durch ein Versehen einen Koffer mit 50 Millionen Kronen auf die Reise mit, Geld aus dubiosen Geschäften einer Rockerbande. Zusammen mit einem 70-järigen Gewohnheitsdieb, einem gelehrten Imbissbudenbesitzer, einer üppigen Rothaarigen mit Schäferhund und Elefantendame Sonja macht er sich auf gen Süden, immer verfolgt von den Resten der Rockerbande sowie von der Polizei. Zwischenkapitel erzählen Allans Geschichte, die auch die Weltpolitik der letzten 100 Jahre widerspiegelt. Er trifft sie alle: Für Allan ist aber nur wichtig, dass es ordentlich kracht! Seine Sprengkenntnisse helfen ihm im spanischen Bürgerkrieg, bei der Entwicklung der Atombombe in Los Alamos, gegen die Kommunisten in China, gegen die Persische Geheimpolizei, über England nach Schweden (wo sein Potenzial gewaltig unterschätzt wird!), nach Russland (auch hier Atombombe), im Gulag, in Nordkorea usw. Ein Lesegenuss, sprachgewaltig und sehr witzig!
Harding, Paul: TinkersEine Empfehlung von Karen Verweegen:
Auf dem Sterbebett erinnert sich George Washington Crosby an Stationen seines Lebens, vor allem an seinen Vater Howard, ein Kesselflicker und Hausierer, der an Epilepsie litt. Die Krankheit wird von der Mutter tabuisiert, bis Weihnachten 1926, als Howard ein schwerer Anfall heimsucht. Als die strenge verbitterte Mutter ihren Mann in eine Heilanstalt einweisen lassen will, verlässt Howard die Familie, macht sich auf, eine neue Frau zu finden. Das Leben seines Sohnes George, so beschwerlich es zunächst scheint (in der Familie hat er viele Pflichten zu erfüllen, sich u.a. um seinen behinderten Bruder zu kümmern), verläuft jedoch später in ruhigeren Bahnen, hat er im Reparieren von Uhren seine wahre Berufung gefunden. Der Roman, der mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde, beeindruckt nicht nur durch seine poetische Sprache (besonders den Gebrauch archaischer Formen und unüblicher Vergleiche sowie die genaueste Beschreibung von Sachverhalten), sondern auch durch die besondere Gedankenwelt der beiden Protagonisten. Der Autor lehrt in seinem Debütroman ein neues Lesen.
Lenz, Siegfried: Die MaskeEine Empfehlung von Karen Verweegen:
Auf der kleinen Insel in der Elbmündung hat die Saison begonnen. Da peitscht ein Unwetter von der Nordsee über die Insel. Danach liegt am Strand eine große Kiste, im Sturm über Bord gegangen. Darin befinden sich Masken, bestimmt für das Völkerkundemuseum in Hamburg. Die Menschen probieren die Masken an, sind plötzlich selbst Drache, Tiger oder Puma. Die vermeintliche Maskierung bringt das wahre Gesicht zum Vorschein. Daraus ergeben sich Komplikationen ... Im Mittelpunkt der Erzälungen geht es um grundsätzliche Fragen des Lebens: Wie ertragen wir Enttäuschungen, was sehen wir im Gegenüber, wo endet die Wirklichkeit und beginnt die Fiktion?